Digitale Nomaden – Steuern und der Wohnsitz

Warum ein fester Wohnsitz auch für digitale Nomaden sehr wichtig ist

Die Zeit und der technische Fortschritt sorgen dafür,dass immer mehr Menschen ortsunabhängig arbeiten und leben, viele von ihnen nennen sich inzwischen Digitale Nomaden, weil sie in jedem Land der Welt arbeiten können.

Viele Jobs, die früher in Büros ausgeübt wurden, können heute problemlos vom eigenen PC aus erledigt werden. Ortsunabhängig, frei, flexibel. Das klingt für viele verlockend. Das ganze Jahr der Sonne hinterher reisen und an den unterschiedlichsten Orten der Welt arbeiten. Da spielen viele digitale Nomaden mit dem Gedanken, ihren Wohnsitz in Deutschland komplett aufzugeben und sich aus ihrem Heimatland abzumelden. Unzählige Foren, Blogs und Artikel im Netz beschäftigen sich mit der Thematik.

Leider teilweise mit haarsträubenden Fehlinformationen.

Denn viele vertreten die Meinung, eine Abmeldung aus Deutschland hätte neben dem Verzicht auf einige Rechte vor allem finanzielle Vorteile. Insbesondere die der Steuerbefreiung hierzulande. Doch wer das leichtgläubig hinnimmt und sich einfach abmeldet, der könnte schon bald das böse Erwachen bekommen.

Denn nur weil kein Wohnsitz mehr in Deutschland besteht, befreit das nicht automatisch von der Steuerpflicht.

Und nebenbei verschließen sich einige weitere Türen für ortsunabhängige Unternehmer / digitale Nomaden. Erfahren Sie hier, warum es für digitale Nomaden äußerst wichtig ist, einen Wohnsitz zu haben und diesen aus steuerlichen Gründen, möglichst außerhalb eines Hochsteuerlandes.

Die Steuerpflicht für digitale Nomaden

  • Der Irrglaube, digitale Nomaden ohne festen Wohnsitz wären von der Steuerpflicht in ihrem Heimatland befreit, ist nicht nur weit verbreitet, sondern ebenso gefährlich.
  • Eine Postanschrift oder eine e-Residenz zu haben, bedeutet nicht, von dieser Pflicht befreit zu sein und sich eine menge Geld zu sparen.

    Denn laut § 1 Abs. 1 Satz 1 EstG, sind in Deutschland all diejenigen uneingeschränkt steuerpflichtig, die hier einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben.
  • Hier sollten Sie jedoch wissen, dass nicht nur eine herkömmliche Wohnung als Wohnsitz definiert wird. Auch jede Räumlichkeit, die zum Wohnen und Aufenthalten geeignet ist, fällt unter den Begriff Wohnsitz.
  • Die Meldung bei der Polizei spielt hierbei keine Rolle für die Steuerpflicht. Denn sobald Sie über eine Räumlichkeit verfügen, bzw. Zugang zu ihr haben, die objektiv als Wohnsitz betrachtet werden kann und die Sie nutzen oder nutzen könnten, gelten Sie beim Finanzamt als uneingeschränkt steuerpflichtig.
  • Dabei ist es unbedeutend, in welchem Land das Geld eingenommen wurde. Das gilt selbst dann, wenn Sie eine längere Zeit oder gar ein Jahr ortsabwesend sind.Auch eine Eigentumswohnung oder ein Zimmer bei Familienangehörigen, zu dem Sie theoretischen Zugang haben, wird als Wohnsitz ausgelegt. Denn aus juristischer Sicht ist jede Räumlichkeit, zu der Sie einen Zugang haben, oder einen Schlüssel besitzen, ein Wohnsitz, der zur Abgabe von Steuern führt.
  • Ob Sie sich beim Meldeamt abgemeldet haben, oder die Räume gar nicht nutzen, spielt hierbei keine Rolle.
  • Aus diesem Grund zählen auch Hotelzimmer, Ferienwohnungen und und ähnliche Aufenthaltsmöglichkeiten dazu. Sie glauben das nicht? Hier finden Sie mehr Informationen dazu: https://www.wohnsitz-ausland.com/digitale-nomaden-wohnsitz/Dem Finanzamt diese zu vertuschen ist keine kluge Idee. Denn über Kreditkartenanfragen, Zahlungsein- und Ausgänge und eventuelle Information durch Nachbarn oder andere Personen kann dieser Versuch schnell auffliegen und kostenintensive Folgen nach sich ziehen. Gemäß § 9 S. 1 AO führt ein Aufenthalt von sechs Monaten mit kurzen zeitlichen Unterbrechungen, der nicht zur reinen Erholung dient, nämlich zur Abgabepflicht von Steuern.
  • Bürger der USA entkommen dieser Pflicht generell nicht so leicht. Hier verpflichten sogar schon die Staatsbürgerschaft oder der Besitz einer sogenannten Green-Crad zur Zahlung an das Finanzamt. Soweit ist es Gott sei Dank noch nicht in Deutschland.
    Da in Deutschland jedoch, wie in den meisten europäischen Ländern, der Wohnsitz über die Steuerpflicht bestimmt, wäre eine endgültige Abmeldung aus dem Heimatland notwendig, um keine Abgaben mehr bezahlen zu müssen und damit sei man automatisch weltweit steuerfrei, so glauben es zumindest offenbar einige Menschen. So einfach ist es nicht!

 

Sich abzumelden und den Wohnsitz in Deutschland real aufzugeben ist ein Schritt, der ohne einen neuen steuerlichen Wohnsitz in einem neuen Land zu haben, zu vielen Nachteilen führen kann.

Die wohl größte Stolperfalle besteht wohl darin, dass das wieder Anmelden eines Wohnsitzes in Deutschland für digitale Nomaden sehr schwer werden kann, wenn man dem Finanzamt klarmachen will, daß man nirgendwo auf der Welt seinen Wohnsitz hatte.

Des weiteren können, wie bereits erwähnt, auch Hotelzimmer, Ferienwohnungen und andere Unterkünfte, die vorübergehend gemietet werden, zur Steuerpflicht führen.

Entgegen der weit verbreiteten Annahme, keine dauerhaft angemietete Wohnung in Deutschland zu haben befreie von dieser Pflicht, kann diese Tatsache nämlich durchaus dazu führen, dass das Finanzamt Sie zur Kasse bittet.

Das gilt auch für einen Zweitwohnsitz, der unter steuerrechtlichem Aspekt wie ein Erstwohnsitz betrachtet wird. Eine Abmeldung des Wohnsitzes bedeutet also nicht, dass man automatisch weggezogen und somit von der Abgabe befreit ist.

Obdachlose Personen zum Beispiel besitzen ebenfalls keinen festen Wohnsitz und sind trotzdem Bürger mit allen Rechten und Pflichten.

Da das Finanzamt im Zweifelsfall Informationen einholt, Bewegungsprofile erstellt und Daten von Airlines, Hotels und Kreditkarten überprüft, ist es keine gute Idee der Zahlung von Steuern entkommen zu wollen, indem man ein Zimmer anmietet und den Aufenthalt vertuscht.

Wird nachträglich herausgefunden, dass Sie zur Zahlung verpflichtet gewesen wären, kommt nicht nur eine Nachzahlung und die Kosten für die Ermittlung auf Sie zu, sondern gegebenenfalls noch andere Ausgaben oder Strafen, die folgenschwere Konsequenzen für Unternehmer haben können.

Hier sind zum Beispiel Kosten für Anwalt und Gericht zu erwähnen, die eventuell bei einer Vertuschung entstehen können und in der Regel schwer zu Buche schlagen können.

Ohne festen Wohnsitz müssen Sie also einiges beachten, um nicht in eine Falle zu tappen, mit der das Finanzamt Sie letztendlich doch zur Zahlung bitten kann. Das kann sehr viel Geld und Nerven kosten.

Ohne festen Wohnsitz verschließen sich viele wichtige Türen

Ob selbstständig, oder ortsunabhängige Festanstellung – für den Zahlungsverkehr benötigen Sie immer ein Konto.

Um solch ein Konto bei einer Bank zu eröffnen, müssen Sie sich nicht nur ausweisen, Sie benötigen ebenso einen Nachweis über Ihren aktuellen Wohnsitz.

Melden Sie sich ab, kann das Eröffnen eines neuen Bankkontos sehr schwer und meist gar unmöglich werden.

Dasselbe gilt für Kreditkarten. Wer keinen festen Wohnsitz nachweisen kann, der wird höchstwahrscheinlich keinen Erfolg bei den Banken haben. Doch auch wer bereits ein Konto und eine Kreditkarte besitzt, sollte sich nicht zu früh freuen. Die meisten Geldinstitute haben in ihren AGB nämlich einen Absatz, der die Kunden auffordert, bei einem Umzug unverzüglich den neuen Wohnsitz mitzuteilen.

Ist keiner vorhanden, so kann die Bank das Konto umgehend kündigen. Das gilt auch für den Fall, wenn die Bank herausfindet, dass ein Umzug oder eine Abmeldung heimlich stattgefunden haben.

Ohne ein Konto und insbesondere eine Kreditkarte, kommen die meisten digitalen Nomaden nicht besonders weit. Vom Flug, über das Mietauto, bis hin zur Unterkunft wird heute alles fast ausschließlich mit Kreditkarte bezahlt. Wenn Sie keine (mehr) besitzen, kann Sie das schnell in äußerst unangenehme Situationen bringen und Ihnen etliche Möglichkeiten nehmen, Sie im Ernstfall sogar handlungsunfähig machen.

Auch auf Konten wie PayPal, Mastercard oder Payoneer auszuweichen, macht trotz des Sitzes der Firmen in den USA und Kanada wenig Sinn, da der Informationsaustausch zwischen den Behörden und Firmen länderübergreifend stattfindet.

Ein gültiges Konto ist jedoch nicht nur als geeigneter Rahmen für die eigenen Einnahmen und Ausgaben wichtig, sondern ist zudem noch Voraussetzung, um eine Unternehmen oder ein Gewerbe anzumelden. Dies benötigen Sie, wenn Sie wenn Sie sich Ihren Lebensunterhalt als digitaler Nomade selbstständig verdienen möchten.

Denn nicht nur Sie sind darauf angewiesen, ein Konto für finanzielle Tätigkeiten zu besitzen.

Auch Ihre Kunden benötigen gegebenenfalls einen Nachweis über ihre Steuernummer und eine Gesellschaft, bzw. ein Unternehmen.

Andernfalls können Ihre Kunden steuerrechtlich gesehen keine Zahlungen an Sie geltend machen.

Das kann für beide Seiten zu Problemen führen. Hier ist vor allem der Aspekt wichtig, dass Sie eventuell sogar gegen geltendes Umsatzsteuerrecht verstoßen, wenn Sie kein Konto und kein Unternehmen besitzen und trotzdem Geld als digitaler Nomade verdienen.

Zudem werden die meisten Kunden auf eine ordentliche und sachgemäße Rechnung bestehen, die immer die Umsatzsteuernummer, Steuernummer und Anschrift beinhalten muss. Wer das verweigert, verliert nicht nur Kunden, sondern bringt sich unter Umständen sogar in eine höchst unangenehme Situation. Eine Steuerfreiheit wird nämlich per Gesetz deklariert und nicht durch ein bloßes Abreisen und Aufgeben des Wohnsitzes definiert.

Keinen Wohnsitz und somit kein gültiges Konto zu haben, kann also vom Feststecken in einem Land, weil der Flug nicht mehr gebucht werden kann, bis hin zum Scheitern des eigenen Unternehmens reichen. Sie sollten also gründlich abwägen, ob eine endgültige Abmeldung aus Deutschland ohne einen steuerlichen Wohnsitz / Lebensmittelpunkt (wo im Idealfall keine Steuern zu zahlen sind) in einem anderen Land anzumelden, wirklich sinnvoll ist.

Auch für Tätigkeiten im Bereich e-Commerce spielt dies eine Rolle.

Wer ab dem 01. Januar 2015 daher Leistungen auf elektronischem Wege an Verbraucher innerhalb der Europäischen Union erbringt, ist zur Berechnung und Abgabe der Umsatzsteuer verpflichtet.

Erwirbt beispielsweise eine Privatperson ein E-Book einer Delaware Gesellschaft, so unterliegt die vom US-Unternehmen erhobene Gebühr der USt. eines Mitgliedsstaates der Europäischen Union.

Die neuen Pflichten zur Registrierung einer EU-Umsatzsteuernummer betreffen Download-Produkte, E-Books, Webhoster, SEOs, Telekommunikation, Broadcasting, kostenpflichtige Communities, Online-Tools, Onlinespiele, Webdesign, Onlinemarketing, Streaming, Online-Recherchedienste und sonstige auf elektronischem Weg erbrachte Leistungen und Produkte für Endverbraucher.

 

Glauben Sie also besser nicht einfach blindlings den vielen Fehlinformationen, die im Internet kursieren, denn das könnte Sie schnell in unangenehme oder rechtlich schwierige Situationen bringen.

Ein bloßes Abmelden des Wohnsitzes aus Deutschland befreit Sie nicht automatisch von der Steuerpflicht und erleichtert Ihnen nicht das Leben. Im Gegenteil!

Im Ernstfall riskieren Sie ihr Konto, ihre Kreditkarte und somit die Gründung eines Unternehmens, bzw. verlieren Kunden, da Sie keine Rechnungen mehr ausstellen können und unseriös erscheinen. Auch kann Ihnen die Bank jederzeit das Konto und so die finanzielle Liquidität und Freiheit nehmen, wenn das Geldinstitut herausfindet, dass kein Wohnsitz mehr vorhanden ist, bzw. die Aufgabe der Meldeadresse verheimlicht wurde. Und plötzlich ohne Konto, Kreditkarte und Geld im Ausland festzustecken, kann etliche Probleme und Kosten in vielerlei Hinsicht nach sich ziehen.

Ein kleiner Fehler kann hier große Auswirkungen haben und Ihnen das wieder Anmelden in Deutschland erheblich erschweren. Informieren Sie sich also ausgiebig, wann und ob eine Abmeldung aus Deutschland für Sie sinnvoll ist, sodass die negativen Aspekte nicht überwiegen und Ihnen die erworbene ortsunabhängige Freiheit nicht gleich wieder zunichte machen.

Weitere Nachteile ergeben sich unter anderem in folgenden Bereichen:

  • Krankenversicherung im Ausland
  • Strafrecht
  • Eheschließung
  • Neuer Reisepass
  • Gerichtliche Geltendmachung von Rechtsstreitigkeiten
  • usw

Ich verweise für Beispiele zu obigen Problematiken auf  https://www.wohnsitz-ausland.com/digitale-nomaden-wohnsitz/

Es gibt jedoch günstige Lösungen für digitale Nomaden, die eine Wohnsitzaufgabe in Deutschland ohne all die Nachteile ermöglichen und dem Leben als digitalen Nomaden nicht im Wege stehen.

Stichwort: Lediglich 60 Tage Aufenthalt pro Jahr in Zypern oder Stichwort: VAE

Ich rate Ihnen dazu einen Blick auf die Webseite www.wohnsitz-ausland.com zu werfen, interessant ist dort auch die Information zur 183 Tage Regelung, Wegzugsbesteuerung usw.

Digitale Nomaden – Steuern und der Wohnsitz
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