Warum Estland für Digitale Nomaden nicht die beste Wahl ist

Von überall aus arbeiten und die Welt erkunden, diesen Traum erfüllen sich Millionne Digitale Nomaden weltweit. Viele denken dabei über eine Firma im Ausland nach, die schnell und unbürokratisch gegründet werden kann.

Estland bietet Digitalen Nomaden seit dem Jahr 2014 eine sogenannte e-Residenz. Auf Wunsch können die digitalen Einwohner in Estland und Finnland eine Firma gründen und erhalten ein estnisches Bankkonto. Klingt spannend oder?

Aber welche Vorteile hat so eine E-Residenz und eine Firmengründung eigentlich? Und wie funktioniert das Ganze in der Praxis?

Eigentlich erfüllt sich mit diesem Angebot der Traum vom Leben als Digitaler Nomade. Sie bekommen eine e-Residency, eine digitale Unterschrift mit ID-Card und können binnen 20 Minuten ein Unternehmen in Estland gründen. Auch der Jahresabschluss und die Buchhaltung können im Netz erledigt werden.

Ist die e-Residenz etwas neues, einzigartiges? Was bringt eine Firma in Estland eigentlich? Wo liegen die Nachteile?

Der wichtigste Fakt zuerst: Die von Estland angebotene E-Residenz ersetzt einen Wohnsitz nicht und berechtigt den Inhaber auch nicht, in dem baltischem Staat zu leben.

Heißt konkret: Die e-Residenz und die damit verbundene e-Residency-Card gestatten es dem Besitzer lediglich, öffentliche Dienstleistungen digital wahrzunehmen. Zusätzlich kann der Inhaber günstig und schnell eine Firma gründen – und die Buchhaltung via Internet führen.

Es sei noch einmal erwähnt: Der Inhaber der e-Residency-Card darf weder in Estland wohnen, noch ausschließlich dort Steuern zahlen oder gar seinen steuerrechtlichen Wohnsitz dort unterhalten.

Digitale Nomaden sind auf der Suche einem Wohnsitz, der so wenig Bürokratie wie möglich mit sich bringt. Sie wünschen sich, ihr Leben flexibel zu gestalten. Sie wollen Steuern sparen ohne die Dienste einer so genannten Steueroase zu nutzen. Das alles bietet eine e-Residenz in Estland nicht. In keinem Punkt, wie ich noch zeigen werden. Praktisch ist es natürlich dennoch, so schnell eine Firma zu gründen, aber wie schaut es mit den Steuern aus?

Estland Firmengründung, Körperschaftssteuern und Steuern

Gesellschaften werden in Estland seit 2010 vollautomatisch besteuert. Wer eine Transaktion über 1000 Euro veranlasst, muss diese melden. In Estland ist die Körperschaftssteuer jedoch unbekannt. Besteuert wird ein Unternehmen erst dann, wenn es Gewinne ausschüttet. Die in Estland lebende Person muss pauschal 20 Prozent zahlen, auf die Gewinnausschüttung an sich fallen noch einmal 20 Prozent Steuern an. Gegebenenfalls kommt auch noch Umsatzsteuer hinzu.

Das erst besteuert wird, wenn es zu einer Gewünnausschüttung kommt, ist schon sehr schön auf den ersten Blick, allerdings möchte man ja auch irgendwann mal den Gewinn entnehmen und da sind auch 20% gegenüber der Möglichkeit 0% mit der richtigen Kombination aus Wohnsitz Land & Firmenland um einiges interessanter.

Hinzu kommen noch einmal die Steuern in der Heimat des Digitalen Nomaden. Denn, eine E-Residenz ist kein tatsächlicher Wohnsitz. So muss der Gewinn noch einmal – zusätzlich zu den 20 Prozent – in der steuerlichen Heimat versteuert werden.

Hinweis:
Eine einfache Postadresse reicht nicht für Digitale Nomaden. Denn: Ohne einen steuerlichen Wohnsitz geht es nicht.

Vergleicht man estnische Situation mit der in den übrigen EU Staaten, allen voran Irland oder Zypern, stell man Folgendes fest: Hier fallen keinerlei Steuern auf Dividenden für Ausländer an. Die Körperschaftssteuer beträgt zwischen 2,5 und 12,5 Prozent. Sie sehen also, damit sind die Steuern in EU-Staaten deutlich geringer und wer seinen Wohnsitz nach Zypern verlegt, zahlt gerade mal 0,0% Steuern auf die Entnahme des Gewinns (Dividende) einer steuerfreien Auslandsfirma und bei einer Zypern Firma nur die 2,5% oder 12,5% Körperschaftssteuer, keine Dividendenbesteuerung, in Zypern ist es dadurch auch möglich Kryptowährungen Trading & Mining via Dividendengesellschaft steuerfrei abzuwickeln. Diese Information bezieht sich nicht auf Estland.

Fazit
Die schnelle und vor allem kostengünstige Firmengründung in Estland ist auf den ersten Blick ziemlich beeindruckend und verdient zweifelsfrei ein Lob, das sollte Schule machen und auch in in anderen Ländern mehr digitalisiert werden.

Aus steuerlicher Sicht spricht aber nicht besonders viel für den Staat im Baltikum.

Estlands digitale Buchhaltung

Auf den ersten Blick wirkt die Buchhaltungssoftware in Estland einfach und simpel.Das ist aber falsch. Die Buchhaltung ist sehr viel aufwendiger als zum Beispiel in Deutschland.

Viele Digitale Nomaden glauben aus Unwissenheit, dass Estland ein unbürokratischer Staat ist. Zugegeben, für die Firmengründung gilt das sogar. Für die steuerlichen Verwaltung eines estnischen Unternehmens gilt das aber nicht.

Sicher, Sie können ein paar Hundert Euro für diverse Leistungen sparen. So ist keine Unterstützung und Beratung von einen Steuerberater unabdinglich. Die VAT-Erklärung, den Jahresabschluss und die laufende Buchhaltung können Digitale Nomaden einfach selbst erledigen.

Aber umsonst sind diese Leistungen nicht. Sie müssen mit Ihrer Zeit bezahlen. Die steuerlichen Pflichten sind auch in Estland nicht in wenigen Stunden erledigt. Sogar die größten Estlands-Fans merken das immer wieder an.

Fazit:
Zeit ist Geld. Deswegen liegt in der estnischen Steuererklärung kein Vorteil. Digitale Nomaden wollen ja eigentlich Bürokratie vermeiden. Was sie nicht wollen: Stunde um Stunde an der Buchhaltung, an Jahresabschluss und VAT sitzen. Und auch noch allein dafür verantwortlich sein – ohne den Rat und die Hilfestellung eines Experten.

Fakt: Am Ende sparen wir in Estland keine Cent. Selbst, wer für Jahresabschluss, VAT-Abgabe und Steuerberatung 250 Euro im Monat ausgibt, wird nicht sparen. Die Ersparnis ist immer noch zu gering, um den Zeitaufwand zu rechtfertigen. Außerdem muss immer noch ein Steuerberater in der Heimat beauftragt werden. Denn die Einkünfte aus Estland müssen in der hiesigen Steuererklärung korrekt angegeben werden.

Hinweis:
Wer glaubt, sich durch ständigen Ortswechsel und einer Abmeldung aus alten Heimat von steuerlichen Pflichten befreien kann, irrt. Das ist sogar ein gefährliches Trugschluss. Das Stellen Sie spätestens bei Ihrer Rückkehr in die alte Heimat fest – oder Sie lesen einfach diesen Text Digitale Nomaden Wohnsitz. Das bewahrt Sie vor schwerwiegenden Fehlern.

Datenschutz und Informationsabkommen in Estland

Das EU-Mitgliedsland Estland ist noch nicht so weit wie die meisten Länder der Europäischen Union. Soll heißen, auch in Sachen Datenschutz sind die Behörden auf dem Baltikum noch nicht allzu weit. Die Verwaltung in Estland ist zentral organisiert. Jeder Bürger hat eine eindeutige Personenkennnummer. Ihr werden alle Transaktionen zugeordnet.

Jeder Firmengründer sollte sich zudem darüber im Klaren sein, dass CRS und das Informationsabkommen EU-FACTA greifen. Das betrifft sowohl das Finanzamt Ihrer alten Heimat als auch die Behörden in Estland. Sie tauschen Informationen aus – und jeder weiß von Ihren Privat- und Geschäftskonten.

Estland bietet Digitalen Nomaden ganz passable Möglichkeiten. Vor allem die günstige Firmengründung ist durchaus ein Pluspunkt. Aber: Nur aus steuerlichen Gründen bietet sich ein Wohnsitz in der EU eher an. Hier fallen die Abgaben geringer aus.

Bei meiner Recherche hat mir dieser Text https://www.wohnsitz-ausland.com/ist-estland-eine-alternative/ hervorragend geholfen.

Warum Estland für Digitale Nomaden nicht die beste Wahl ist
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2 thoughts on “Warum Estland für Digitale Nomaden nicht die beste Wahl ist

  1. Danke für den Artikel. Allerdings verstehe ich den Vergleich mit der Besteuerung von Kryptowährungen nicht ganz. In Deutschland handelt es sich bei Kryptowährungen um Wirtschaftsgüter, die im Privatbereich nach §23 EStG im Sinne von privaten Veräußerungsgeschäften besteuert werden. Bist Du Dir sicher, dass diese in Estland als Kapitalerträge angesehen werden? Sorry, bin mir nur gerade unsicher diesbezüglich 🙂 Liebe Grüße aus München

    • Hi Alex, jetzt verwirrst Du mich gerade ;). Zur Besteuerung /steuerlichen Situation von Kryptowährungen in Estland steht in dem kommentierten Artikel nichts, sondern über die Möglichkeit Kryptowährungen als Zypern non Dom über eine steuerfreie Dividendengesellschaft abzuwickeln.

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